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Hier wache ich!

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Erziehung & Haltung
Date 10.03.2019

In der Heide oder auf dem Deich gehören Schafe zum typischen Landschaftsbild. Über die charmante Kulisse hinaus leisten die genügsamen Herdentiere wertvolle Arbeit, indem sie dafür sorgen, dass Flächen nicht verwildern und ihre schützende Funktion behalten. Die Nachfahren vom wilden Mufflon gehören zu den ältesten Haustierrassen und versorgen Menschen seit rund 10.000 Jahren mit wärmender Wolle, zartem Fleisch und aromatischer Milch. Diese vielfältigen Qualitäten begeistern auch Holger Benning, der hauptberuflich die Bio-Schäferei Wümmeniederung betreibt. Zum Team gehören außerdem Nicole Benning, Tochter Adriana sowie zwei Aushilfen. Nicht zu vergessen die Schafe und Ziegen – aktuell sind es knapp 850. Nach der Lammzeit dürften es im Sommer mehr als 1.100 Tiere in bis zu acht Herdenstandorten sein.

Der seit 2010 geführte Familienbetrieb ist Mitglied im Bundesverband der Berufsschäfer e.V., in der Nutztier-Arche bei Vieh-e.V. sowie im Verein für arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland e.V., als dessen Vorsitzender Holger Benning ebenfalls aktiv ist. Denn auch er entschied sich irgendwann für den Einsatz von Herdenschutzhunden, „weil es die derzeit einzig brauchbare Schutzmaßnahme gegen Wölfe ist. Selbst gute Elektrozäune werden inzwischen, wie wir es bereits vor Jahren vorhergesehen haben, überwunden.“ Und auch wenn es glücklicherweise noch nie einen erfolgreichen Angriff der sogenannten großen Beutegreifer auf seine Schützlinge gab, geht Benning diesbezüglich kein Risiko ein. „Werden unsere Herdenschutzhunde zum Beispiel von Auftraggebern nicht geduldet, stellen wir auch keines unserer Schafe dorthin.“

Ein Wolfsgebiet kann im Grunde in naher Zukunft fast überall in Deutschland entstehen

Freilebende Wölfe hat der Schäfer in Niedersachsen bereits gesichtet. „Bisher neun Mal. Kein Wunder, denn wir sind mir unseren Tieren in mehreren Rudelterritorien unterwegs. Derzeit gibt es elf Wolfsrudel im 50 km Radius um unsere Herden.“ Eine Anwesenheit schutzbeauftragter Hunde bleibt den sensiblen Jägern nicht lange verborgen. Die Vierbeiner kommunizieren miteinander und die Hunde machen unter anderem durch ihre entlang des Weidezauns gesetzten Duftmarken klar, dass es sich hier um ein besetztes Gebiet handelt, das verteidigt wird. Da Wölfe normalerweise genau abwägen, ob sie das Risiko bei einem Angriff selbst verletzt zu werden, eingehen möchten, hat sich der Abschreckungseffekt durch mindestens zwei deutlich auftretende Schutzhunde pro Herde bewährt.

Aktuell sind für die Schäferei Wümmeniederung dreizehn Kangals als Aufpasser im Einsatz: Ayla (6), Ziva (6), Greta (5), Jasna (5), Charlie (3), Cooper (3), Debbie (3), Diggi (3), Bambi (2), Faye (2), Ginni (1), Gunny (1) und Smilla (1). Die Welpen Hulk, Hogen, Henry, Hector, Harm und Hetty befinden sich in der Ausbildung. Auch wenn beide Arten in derselben Branche tätig sind, dürfen Herdenschutz- und Hütehunde nicht miteinander verwechselt werden. Als Letztere leisten die Border Collies Lumpi (10) und Lou (6 Monate), Harzer Fuchs Ida (3) sowie Australian Working Kelpie Wally (1,5) für den Schäfer wichtige Koordinierungsarbeit. Da die Vierbeiner teilweise parallel agieren, ist eine gute Sozialisierung untereinander wichtig. Doch während die Hütehunde nach Feierabend die Herde wieder verlassen, bleiben die Schutzhunde und pflegen eine teilweise lebenslange Gemeinschaft mit Schafen, Ziegen, Rindern oder sogar Geflügel.

Ein Herdenschutzhund ist der Bodyguard, ein Hütehund der Platzanweiser

Holger Benning hatte in der Vergangenheit auch Pyrenäenberghunde im Einsatz, ist aber irgendwann vollständig zum Kangal übergegangen. „Kangals dulden keinen „zweiten Gott“ neben sich und da der Pyrie eher klein beigibt, würde er in dieser Konstellation gemobbt werden. Wir brauchen mental starke Hunde, die nicht diskutieren und keine Gefangenen machen, wenn es drauf ankommt. Während man bei in Deutschland gezüchteten Pyrenäenberghunden häufig beobachten kann, dass sie sich in der Herde „verstecken“, stellt sich der Kangal einer Bedrohung deutlich gegenüber. Im Gegensatz zum oftmals dauerbellenden Pyrie unterscheidet er meistens auch sehr deutlich, was wie kommuniziert werden muss. Sind Wölfe anwesend, bellen Kangals zum Beispiel fast gar nicht, sondern geben konzentriert und angespannt die seltsamsten Knurrgeräusche von sich.“

Territorialverhalten wie Markieren, Bellen und ggf. Drohen liegt Herdenschutzhunden genauso in den Genen, wie die Bereitschaft zur Sozialisierung mit anderen Tierarten und diese zu beschützen. Dies beinhaltet beim Kangal auch eine ausgeprägte Aggressivität gegenüber Caniden – egal, ob es sich um einen Wolf, Fuchs oder Hund handelt. Wichtig ist daher, Herdenschutzhunden beizubringen wo sich ihre Reviergrenze (z. B. der Elektrozaun) befindet und dass diese unbedingt einzuhalten ist. Läuft man mit seinem Hund an einer behüteten Herde vorbei, werden die meisten Schutzhunde entsprechend deutlich bellen. Dann nimmt man seinen Vierbeiner rechtzeitig an die kurze Leine und geht mit ausreichend Abstand entspannt weiter. Je nachdem, ob es sich um einen motivierten Jung- oder erfahrenen Althund handelt, werden auch Fußgänger und Fahrradfahrer mehr oder weniger stark verbellt und den Weidezaun entlang eskortiert oder einfach nur beobachtet.

Sorge um die Tiere – und um die eigene Existenz

So wertvoll gut ausgebildete Herdenschutzhunde auch sind – ihre artgerechte Haltung ist mit einem nicht zu unterschätzenden Zeit- und Geldaufwand verbunden. „Der Wolf ist wieder da und als Schäfer muss ich meine Tiere schützen, darauf kommt es an“, sagt Holger Benning. „Gemessen an unserem Betrieb belaufen sich die jährlichen Kosten dafür auf rund 30.000 €. Und dass nur um keine Risse an den Schafen zu haben – diese wären als Sachschaden betrachtet im Wert vermutlich deutlich geringer. Pro Woche fallen in unserer Schäferei außerdem rund 25 Stunden Mehrarbeit für den Herdenschutz an. Wichtige Dinge wie die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden der Schafe, die mein eigentlicher Job sind, bleiben dadurch teilweise auf der Strecke.“

In einigen Bundesländern wird unter bestimmten Voraussetzungen die Anschaffung von Herdenschutzhunden bezuschusst. Der viel wichtigere Unterhalt der Tiere jedoch nicht. Auch um bei der Vermehrung Wildwuchs und Wucherpreisen entgegenzuwirken, erscheint es sinnvoller, den Unterhalt zertifizierter Hunde finanziell zu fördern. Für diesen und weitere Belange setzt sich der Verein für arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland e.V. ein. Hier sind unterschiedliche Nutztierhalter als Interessenvertretung organisiert und widmen sich der fachkundigen und verantwortungsvollen Haltung, Zucht und Ausbildung von an Weidetieren arbeitenden Herdenschutzhunden aller Rassen, sowie praktischen Schulungen (Seminare, Workshops) von deren Haltern.

„Für die Zukunft der Schäferei in Deutschland wünsche ich mir, dass wir endlich angemessen für unsere Arbeit bezahlt werden“, so Holger Benning. „Wir leisten einen enormen gesellschaftlichen Beitrag zur Artenvielfalt, im Hochwasser- und Deichschutz sowie zum Erholungswert der Landschaft und produzieren regionale hochwertige Lebensmittel. Dafür sollten Gelder so honoriert werden, dass die Betriebe anständig davon leben und Arbeitsplätze schaffen können. Auch als Verbraucher ist es möglich, seinen Teil zu leisten, indem man nicht das importierte Neuseeland Lamm kauft, sondern das vom Schäfer vor der Haustür. Es gibt keine 1.000 Berufsschäfer mehr in Deutschland und wenn die weg sind, kommen sie nicht wieder. Dies hätte für unsere Kultur und Natur gravierende Folgen!“

 

Weitere Infos:

www.heidschnuckenherde.de & www.va-herdenschutzhunde.de

 

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