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„Der will nur spielen“ – Kolumne von Jana Rätke
Hundebegegnungen: Den Hund immer im Blick

„Der will nur spielen“ – Kolumne von Jana Rätke

Erziehung & Haltung
Date 18.01.2021

„Der will nur spielen“

Der 10 Monate alte Rhodesian Ridgeback Rüde Magnus geht an der linken Seite direkt am Waldrand. Maya, meine Kundin, führt ihren Hund an der kurzen Leine. Mit klarer Körpersprache übernimmt sie die Kontrolle auf diesem Spaziergang. Magnus hat eine territorial motivierte Leinenaggression. Damit diese nicht zu einer Gefahr wird, ist eine Aufgabenverteilung zwischen dem Rüden und Maya extrem wichtig. Wir trainieren seit vier Wochen zusammen. Es gibt erste Erfolge, doch noch verzeiht der Rüde keine Fehler. Übersieht sein Frauchen einen anderen Hund oder schirmt den Rüden nicht früh genug ab, hängt sich Magnus in die Leine. Wir befinden uns am Anfang des Trainings, Mayas erste Hausaufgaben lagen eher im häuslichen Bereich. Heute wagen wir gemeinsam einen ersten Trainingsspaziergang im Wald.

Ich gehe zwei Meter hinter Maya und bitte sie so zu handeln, als ob ich nicht dabei wäre. In 50 Metern Entfernung sehen wir uns ein anderes Mensch-Hund-Gespann entgegen kommen. Meine Kundin reagiert sehr sehr gut. Bereits auf diese recht große Entfernung grüßt sie die andere Dame mit einem „Hallo“, diese Geste soll für ihren Rüden bedeuten, Frauchen erkennt die potentielle Gefahr und übernimmt alle Entscheidungen. Zu dritt stellen wir uns an die breiteste Stelle des Weges in eine kleine Ausbuchtung. Wir sind einen guten Meter vom Hauptweg entfernt. Maya stellt sich vor ihren Rüden und zeigt ihm dadurch, dass sie die Kontrolle bei der Hundebegegnung übernimmt. Ich bin sehr stolz auf die Entwicklung der beiden. Die uns entgegenkommende Frau nähert sich recht zügig. Sie scheint ein Multitasking-Talent zu sein. Mit der linken Hand hält sie das Handy am Ohr, mit der anderen Hand hält sie die Leine ihres kleinen, weißen Hundes und einen Kaffeebecher. Sie lächelt uns zu, ihr Hund hält an, hebt das Bein und pieselt gegen den nächsten Baum. Den Blick starr auf Magnus gerichtet. Sein Frauchen bekommt davon nichts mit. Sie ist in ihr Telefonat vertieft, nimmt einen großen Schluck aus ihrem Becher und lächelt. Die Hunde lächeln sich nicht so freundlich zu. Magnus, dem territorial motivierten Hund entgeht das Markieren des anderen Hundes nicht. Dem Frauchen des anderen Vierbeiners schon. Sie kommt immer näher. Kurz bevor sie direkt auf unserer Höhe ist, stampft Maya einmal mit dem Fuß in Richtung ihres eigenen Hundes auf und signalisiert ihm so, dass er auf die Provokation nichts erwidern soll. Magnus brummt leise, Maya nimmt die Leine kürzer. Die Frau lässt ihren Hund an lockerer Leine weiter in unsere Richtung traben und ruft: „Meiner möchte mal kurz Hallo sagen“. Bevor wir antworten können springt Magnus in die Leine, der kleinere weiße Hund fletscht die Zähne und springt ebenfalls in die Leine. Der Kaffee fliegt durch die Luft, wutentbrannt reißt die Frau ihren Hund zu sich und sagt: „Komm weiter, der mag keine kleinen Hunde.“

Damit in Zukunft weniger solcher Situationen passieren, arbeite ich als Trainerin für Mensch und Hund. Unsere Vierbeiner haben es verdient, dass wir ihre Sprache erlernen. In meiner täglichen Arbeit liegt mein Schwerpunkt darin, den Haltern die Kommunikation ihrer Hunde zu erläutern. Hätte die coffee-to-go Frau die Zeichen ihres Hundes übersetzen können, hätte sie ihren Vierbeiner zur Seite nehmen können und sich nicht den Kaffee über ihre Jacke kippen müssen. An diesem Beispiel aus meinem Trainingsalltag wird sehr deutlich, dass Hunde keine Nähe benötigen um „Hallo“ zu sagen. Anders als wir Menschen kommunizieren Hunde non verbal bereits auf großer Entfernung miteinander. Unsere Hunde kommunizieren unauffälliger als wir. Probieren Sie es doch direkt einmal aus und achten bei der nächsten Hundebegegnung darauf, was ihr Hund und der andere sich zu erzählen haben. Lange bevor wir dem anderen Menschen überhaupt Hallo sagen.


 

Kolumnistin Jana RätkeJana Rätke
Hundetrainerin & Journalistin

Sie hat ihre beiden Leidenschaften zum Beruf gemacht. Sie ist ausgebildete Redakteurin und zertifizierte Hundetrainerin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie. In der täglichen Arbeit mit Mensch und Hund ist es ihr besonderes Anliegen, dass Menschen die Körpersprache ihrer Hunde verstehen. Den Grundstock von unerwünschten Verhaltensweisen legen oft Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Mehr von Jana Rätke erfahren Sie unter: www.der-lieblingshund.de

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