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Richtig streicheln

Zu viel Zuneigung kann einen sprichwörtlich erdrücken – da geht es Hunden und Katzen nicht anders. So findest Du heraus, wann und welche Streicheleinheiten bei Deinem Vierbeiner gut ankommen.

Natürliche Geborgenheit

Körperliche Nähe und Zuwendung gehören zu den ersten Erfahrungen, die neugeborene Hunde und Katzen sammeln. Wenn die Mutter reinigend über den Körper leckt oder sich alle Geschwister warm aneinander kuscheln. Dieses wohlige "Nestgefühl" verbindet der Vierbeiner für den Rest seines Lebens mit Schutz und Geborgenheit. Wenn Dein Hund oder Deine Katze sich nah zu Dir legt, Dich anstupst oder zärtlich an Dir knabbert, teilt der Vierbeiner auf diese Weise seine Zuneigung mit. Gemeinsames Kuscheln macht nicht nur Spaß, sondern stärkt die Bindung und baut Stresshormone ab. Damit der Körperkontakt seinen gesunden Zweck erfüllen kann, kommt es auf die Art und Dosis der Zuwendung an. Unabhängig von individuellen Vorlieben – der eine schmust mehr, der andere weniger – haben Menschen und Tiere unterschiedliche Verhaltensweisen, die beim Streicheln häufig übergangen werden. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Unpassende Situationen

Vielleicht hast du schon bemerkt, dass Dein Hund sich nicht gerne anfassen lässt, während er sich konzentriert und körperlich betätigt. Der Vierbeiner sollte beim Training nicht unnötig abgelenkt werden und lieber erst am Schluss der Übung durch mündliches Lob und ein tolles Leckerli bestätigt werden. Auch beim Herumtollen mit Artgenossen stören menschliche Streicheleien die aktive Kommunikation zwischen den Tieren. Dass fremde Personen erst einmal beschnüffelt werden, bevor Hund oder Katze sich vertrauensvoll kraulen lassen, ist nur natürlich. Und wenn Du Dich mit Deinem Vierbeiner in einer unbekannten Umgebung oder Situation befindest, gib Deinem Tier Zeit und Raum um sich zu orientieren und die Lage einzuschätzen. Nach einem stressigen Tag kann es sein, dass Dein Vierbeiner ungestört an seinem Lieblingsplatz entspannen möchte. Geht es uns in manchen Momenten nicht genauso, wie unseren Hunden und Katzen?

"Wer einen Hund streichelt wird dessen Wärme nicht nur zwischen den Fingerspitzen, sondern vor allem im Herzen fühlen."

Freiraum respektieren

Menschliche Umarmungen gleichen für Tiere einem Würgegriff. Oft lassen sich die Vierbeiner solch stürmische Zuneigungsbekundungen gutmütig gefallen. Es kann aber auch passieren, dass sie auf ihre Weise für mehr Distanz sorgen – was unangenehm für alle Beteiligten ist. Einen Hund kräftig zu klopfen ergibt für das tierische Verständnis ebenfalls keinen Sinn, da dieses Verhalten unter Artgenossen nicht angewendet wird. Vielmehr stupsen sich Hunde sanft an, um dem Gegenüber die Scheu zu nehmen. Wenn der Körperkontakt die Sinne einschränkt, wird dies von den meisten Vierbeinern als unangenehm empfunden. Dazu gehören zum Beispiel das Festhalten der Rute sowie ein energisches Kopftätscheln. Außerdem mögen es die allermeisten Hunde und Katzen nicht, wenn ihr Gesicht dicht vor unseres gehalten wird. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Körperkontakt als eine der wichtigsten sozialen Ressourcen positiv genutzt werden kann.

Beruhigende Belohnung

Richtig eingesetzt, stärken Streicheleinheiten die Bindung, dienen als Belohnung, nehmen Angst und lindern Schmerzen. Wenn Du entspannt atmest und Deinen Vierbeiner sanft kraulst oder ihm die Hand auflegst, vermittelt dies Sicherheit. Eine ausgiebige Kuschelzeit kannst Du außerdem nutzen, um verkrampfte Muskeln zu lockern oder den Körper des Tieres auf eventuelle Veränderungen zu untersuchen. Eine hartnäckige Klette oder Verfilzung solltest Du ggf. erst im Anschluss entfernen, um den Wohlfühlmoment nicht zu zerstören. Dennoch kann eine Kuscheleinheit ein ideales Medical Training sein und Deinen Vierbeiner für Berührungen desensibilisieren, was schlussendlich den Tierarztbesuch oder die Medikamentengabe vereinfachen kann. Für unterschiedliche Beschwerden – von Verspannungen bis hin zu Verhaltensstörungen – gibt es spezielle "Berührungstherapien", wie zum Beispiel den Tellington-Touch. Dabei dauert ein T-Touch nicht länger als drei Sekunden und wird ohne Druck ausgeführt. Auch im Alltag kann ein kurzes Streicheln viel bewirken – zum Beispiel als belohnende Anerkennung, wenn Dein Hund entspannt an der lockeren Leine läuft. Hier kann eine sanfte Berührung der Schnauze schon als große aber ruhige Belohnung verwendet werden. 

"Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat."

Harmonische Handgriffe

Für eine längere Streicheleinheit begebe Dich mit Deinem Vierbeiner auf Augenhöhe und setze Dich zum Beispiel zu Deinem Tier auf den Boden. Nähere Dich dem Kopf Deiner Fellnase stets von der Seite und streiche sie mit der flachen Hand entlang der Wange in Richtung der Schläfe und weiter über den Kopf und Rücken. Wenn Dein Vierbeiner sich daraufhin entspannt auf die Seite legt, drückt er dadurch sein Vertrauen aus. Eine weitere Genusszone unter guten Freunden ist die Kehle, die den Hals entlang bis zur Schnauze und wieder zurück gekrault wird. Etwas kräftiger kannst Du tierische Genießer an der Brust- und Schulterpartie knuddeln oder mit kreisenden Daumen sanft seitlich der Wirbelsäule massieren. Auch hinter den Ohren lassen sich die meisten Vierbeiner gerne kraulen und zeigen dies, indem sie ihren Kopf gegen Deine Hand drücken. Wenn Hunde könnten, würden sie in solchen Momenten ebenfalls schnurren!

 

 

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